Martin Schleske Oktober 2015

4 Wege der Erkenntnis, Gedanken von Martin Schleske

Am Seminarabend vom 23. Oktober 2015 in der Stiftung Schleife machte Martin Schleske, einer der grossen Geigenbauer der Gegenwart, „Die 4 Wege der Erkenntnis“ zum Kernthema des Abends. Eindrücklich zeigte Martin auf, dass jeder Mensch eine bestimmte „Erkenntnissprache“ bevorzugt oder lebt. Martin Schleske sagte an diesem Abend, dass die Art, wie wir lieben, häufig auch die Art ist, wie wir erkennen.

Eine erste Weise zu Erkennen ist die „Liebe zum Gesetz“. Hier wird „die Ratio“ angesprochen und es geht um die Liebe zu Naturgesetzen, den Wunsch, physische Gesetze zu verstehen, das Forschen und Herausfinden von Gesetzmässigkeiten. Die Wirklichkeit wird in Formeln gesucht. Diese Art der Erkenntnis spart eine Menge Arbeit und Mühe. Gute Wissenschaft ist ein Lobpreis der Weisheit Gottes. Als Metapher für diese Art zu erkennen nennt Martin Schleske den Kopf.

Die zweite Form zu Erkennen nennt Schleske die Liebe zum Experiment, die empirische Liebe. Hier geht es um das Ausprobieren. Der Ansatz der Menschen mit einem empirischen Verständnis ist häufig: „Ich verstehe es nicht, aber ich finde es heraus.“ Aus unendlichen Versuchen und daraus entstehenden Datenwolken offenbart sich dann das optimale Vorgehen. Oft sind diese Menschen gesegnet mit einer unerschütterlichen, enttäuschungsresistenten Laborliebe. Als Metapher für die empirische Erkenntnis nennt Martin die Hände.

Die Liebe zur Intuition lässt Menschen intuitiv erkennen. Menschen mit Liebe zur Intuition sprechen häufig von einem „Bauchgefühl“, das ihnen den richtigen Weg weist. Als Metapher für die intuitive Erkenntnis nennt Martin Schleske den Bauch. Menschen verfügen über viele Erfahrungen, die sie nicht in Worte fassen können. „Das spürt man irgendwie“, sind Ausdrücke ihrer Erkenntnis. Die Intuition beruht auf einem grossen Erfahrungsschatz, den die Menschen nicht bewusst wahrnehmen. Sie wissen nicht, was sie alles wissen. Entscheide aus dem „Bauch heraus“ haben nichts gemeinsam mit Willkür. Intuition findet statt, wenn wir tief im Innern an uns selber glauben, uns selbst vertrauen und so etwas wie eine innere Stimmigkeit vorliegt.

Den vierten Weg der Erkenntnis beschreibt Martin Schleske als Inspiration. Die Inspiration folgt der Gnade. Inspiration können wir nicht machen, wir können sie nur erhalten und zwar übernatürlich durch die Gnade Gottes. Gott spricht in unser Herz. Bei dieser Art der Erkenntnis können wir nichts aus uns heraus tun. Wir können uns nur empfänglich machen, um aus dem Reichtum des Himmels zu schöpfen. Wenn wir bereit sind, Sicherheiten aufzugeben und wenn wir nichts mehr zu geben haben, können wir Gnade empfangen. Aus Ohnmacht macht Gott Vollmacht. Jesus selbst sagte in Johannes 5, 24: „Der Sohn kann nichts aus sich heraus tun. Er tut nur, was er den Vater tun sieht. Was immer der Vater tut, das tut auch der Sohn.

„Wir dürfen die Wege der Erkenntnis nicht gegeneinander gewichten“, so Schleske. „Jeder Weg ist wichtig, denn alle 4 Formen haben die gleiche Leuchtkraft und die gleiche Heiligkeit.“

28. Oktober 2015, Marnie Hux